Streetwork

„Nicht die Probleme, die Jugendliche machen, sondern die, die sie haben, sollten Ausgangs und Mittelpunkt von Jugendarbeit sein!“ Franz Josef Krafeld 1996

Kurze Vorstellung

Seit Mai 2002 gibt es die „Aufsuchende Jugendarbeit“ mit einem Streetworker in Stadtallendorf. Vom 01. Oktober 2003 bis 30.09.2014 war Andreas Schumacher der Streetworker für „Aufsuchende Jugendarbeit“. Seit 01.11.2014 ist Sebastian Habura der Streetworker der Stadt. Bis April 2008 war die Aufsuchende Jugendarbeit ein Kooperationsprojekt von Stadt Stadtallendorf und Internationalem Bund. Seit Mai 2008 ist das Projekt als fester Bestandteil in die Stadtjugendpflege integriert.
Die Arbeit des Streetworkers richtet sich in erster Linie an Aussiedlerkinder und –jugendliche sowie andere Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Darüber hinaus auch an alle Jugendlichen, deren zentraler Sozialisationsort der öffentliche Raum ist! Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren. Häufig gibt es aber auch Kontakte zu jungen Erwachsenen, die eine Schnittmenge zur Zielgruppe bilden.

Zur Situation Stadtallendorfs

Um die Notwendigkeit einer Stelle für „Aufsuchende Jugendarbeit“ nachvollziehbar zu machen, werden hier kurz die Hintergründe und die Situation Stadtallendorfs aufgezeigt:
In Stadtallendorf leben ca. 22.000 Menschen. Davon etwa 30 % Aussiedler und etwa 22,5 % ausländische Mitbürger aus über 60 Nationen, wobei die Menschen türkischer Herkunft den größten Teil ausmachen. Demzufolge weisen über die Hälfte der Bevölkerung eine bikulturelle Biographie auf. Sie haben also einen Migrationshintergrund!

Ende der 90er Jahre nahmen die Probleme deutlich zu:

  • stark unterschiedliche Herkunftskulturen
  • hohe Jugendarbeitslosigkeit
  • häufig mangelhafte Sprachkenntnisse
  • Spannungen zu anderen ethnischen Gruppen
  • erhöhter Alkoholkonsum
  • teils in Zusammenhang mit Suchterkrankung und Drogenkriminalität

Hinzu kommt, dass diese Kinder und Jugendlichen häufig Opfer von Ausgrenzung und Stigmatisierung sind.
Die Gruppe der Aussiedler separierte sich zunehmend.
Durch spezifische Angebote im Freizeitbereich, Beratungsangebot und anderen Maßnahmen soll diesen Entwicklungen entgegengewirkt werden. Die vorhandenen Angebote der Sozialarbeit sind jedoch überwiegend durch eine „Kommstruktur“ gekennzeichnet. Um den Separationstendenzen entgegen zu wirken sind Angebote mit „Gehstruktur“ (auf die Zielgruppe zugehen) immer notwendiger geworden.

Die „Aufsuchende Jugendarbeit“ und Streetworker

So wurde im Mai 2002 die Stelle eines Streetworkers für „Aufsuchende Jugendarbeit“ in Stadtallendorf geschaffen.
Nicht die Probleme, die Kinder machen, sondern die Probleme, die sie haben, stellen den Ausgangs- und Mittelpunkt der „Aufsuchenden Jugendarbeit“ dar!

Meine Tätigkeit besteht aus 3 Kernbereichen:

  1. Element: Streetwork
  2. Element: Niedrigschwellige Freizeitangebote
  3. Element: Zielgruppenorientierte Projekte

Weitere Aufgaben und Tätigkeitsbereiche des Streetworkers

  • Sehr enge Kooperation und Verzahnung der Stadtjugendpflege, Jugendzentrum und dem Projekt Soziale Stadt Stadtallendorf
  • Mitarbeit im Jugendzentrum und Unterstützung des Jugendzentrum e.V.
  • Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei und dem Polizeipräsidium Mittelhessen in einer Expertengruppe für Aufsuchende Jugendarbeit mit dem Ziel der Krisenintervention und Kriminal-, Sucht- und Gewaltprävention
  • Öffentlichkeitsarbeit (Presse, Rundfunk, Internet, Vorträge in Fachgremien z.B. Aussiedler-Fachtage…)
  • Fachaufsicht im Boxcamp Stadtallendorf
  • Aktive Mitarbeit in unterschiedlichen Gremien und Arbeitskreisen:
  • Projektkonferenzen Soziale Stadt Stadtallendorf
  • mit aktuellen Sachstandsberichten
  • AK „Gewaltfrei Leben“
  • AK „Kommunale Kriminalprävention“
  • Mitinitiator des AK´s „Mobile und Aufsuchende Jugendarbeit in Mittelhessen“
  • Mitarbeit im Landesarbeitskreis (LAK) Streetwork
  • AK „Jungenarbeit“ im Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Multiplikator des Programms „Gewalt Sehen Helfen“
  • Multiplikator des Programms „Cool sein- cool bleiben“
  • Unterstützung des Jugendrechtshauses des Landkreises Marburg-Biedenkopf in Stadtallendorf
  • Beratung, Hilfe und Vermittlung von Hilfe für Jugendliche
  • Ausbildung Ehrenamtlicher zu JugendleiterIn und BetreuerIn nach den Qualitätsstandards der „JugendLeiterCard“
  • Planung und Durchführung von Jugendfreizeiten
  • Rechtliche Verankerung von Streetwork

    Die rechtliche Verankerung von Streetwork und Mobiler Jugendarbeit sowie aufsuchender Jugendsozialarbeit erfolgt auf der Grundlage des Sozialgesetzbuch – SGB VIII § 13 und § 80 im Rahmen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG).
    Im KJHG lässt sich das Gesamtspektrum in drei Bereichen ansiedeln:
    § 11 Jugendarbeit, § 13 Jugendsozialarbeit, § 14 Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz, § 80 Jugendhilfeplanung.
    Weitere Grundlage für Streetwork bildet § 72 des Bundessozialhilfegesetz (BSHG)- Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten, sowie §1 des Rechtsberatungsgesetzes (RBerG) mit einer Ausnahmeregelung für
    Sozialarbeiter.

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